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Zu Fuß auf dem Weg nach Jerusalem

Wander-Pilger-Reise der Pfarrei St. Marien
Zu Fuß auf dem Weg nach Jerusalem
Zu Fuß auf dem Weg nach Jerusalem

Zu Fuß auf dem Weg nach Jerusalem

Wander-Pilger-Reise der Pfarrei St. Marien

vom 15. bis 22. Mai 2019

Eine Reise beginnt mit einer Sehnsucht, eigentlich immer mit der Sehnsucht, ein Ziel zu erreichen. Bei keiner Reise, die ich bisher im Leben unternahm, traf das so ohne Wenn und Aber zu wie bei dieser Wanderreise auf dem sogenannten Jerusalemweg von Nazareth mit dem Ziel Jerusalem.

Jerusalem ist einzigartig. Jerusalem ist nicht irgendeine Stadt. Keine Stadt auf der Welt ist so alt und so jung, so friedlich und so unfriedlich, so eingefahren in Traditionen und so in Veränderung begriffen. Diese Stadt ist voller Spannungen und damit voll spannend. Sie fordert alle heraus, scheint niemals zur Ruhe zu kommen, denn zu groß erscheinen die Unterschiede, die sich aus den jeweiligen Bevölkerungsgruppen und Religionen ergeben. Wer könnte diese Stadt je verstehen? Und doch war dieses Jerusalem das Ziel unserer Reise, für mich logisches Ziel im Glaubensleben und eben Sehnsuchtsort.

Mitte Mai hatte sich unsere Pilgergruppe aus Bad Homburg, Friedrichsdorf und Oberursel unter der Leitung des Pastoralreferenten Werner Görg-Reifenberg von der Pfarrei St. Marien, unterstützt vom Limburger Reiseunternehmen Tobit mit dem überaus kundigen örtlichen Israelführer Bertil Langenohl, aufgemacht, nach Jerusalem zu wandern.

Es wird ja mancherorts als „Fünftes Evangelium“ bezeichnet, das eigene Erleben der Stätten, an denen Jesus Christus wirkte, wo er lebte und seine Jünger um sich sammelte. Dahinter steckt die Idee, dass zum Verständnis der Bibel und der Gleichnisse Jesu das Aufsuchen der Orte, an denen die beschriebenen Ereignisse stattfanden, sehr hilfreich ist.

Und ich glaube, auf keine andere Weise als durch das Gehen zu Fuß, kann man an diesen Orten besser ankommen und sie somit besser kennenlernen und damit auch verstehen.

Sind die Pilgerstätten in Nazareth, am See Genezareth und in Jerusalem auch alle stark frequentiert, ja überlaufen von Pilgern aus aller Welt, so waren die Wege, die wir von Bertil angeführt liefen, genauso leer und einsam, wie damals, als Jesus sie mit seinen Gefährten ging.

Wir liefen Jesu Wege! Durch Wüsten und durch Wadis. Wir stellten uns laufend vor, wie es war, damals vor 2000 Jahren. Und dabei halfen uns Bertils und Werners Texte und Erklärungen, die uns an die Zeiten des Neuen und auch des Alten Testaments erinnerten. Und ihre Schilderungen des bewegten Lebens im jungen Staat Israel, der im Spannungsfeld seiner mit im Lande und in der Nachbarschaft lebenden Mitbewohner nicht zur Ruhe kommt, waren uns ebenfalls sehr nützlich. Es kommt mir vor, als sei es ein immerwährender Kampf, der da in Israel, auch im Namen Gottes, ausgetragen wird, und schon so viele Opfer fand.

Dieses Spannungsfeld zu bewandern, bewegte uns und forderte uns heraus. Wie gut taten da die Fragen und Impulse, die uns Bertil und Werner vorschlugen. Beim Gehen - schweigend, jeder für sich - kamen uns vorsichtige Antworten.

Eine solche Reise kann keine Vergnügungsreise, keine fromme Pilgertour und keine Erholung sein. Man muss sich auf die Realitäten einlassen, auf die offensichtlichen Schwierigkeiten, die sich aus der Interreligiosität im Lande und aus den immer wieder mit Gewalt durchgesetzten Grenzverschiebungen ergeben. Man muss sich als Wanderer dem für uns Nordlichter extremen Klima stellen, Wüstensonne und Temperaturen von 40 Grad im Schatten. So wird man unterwegs, gehend, von selbst nachdenklich und irgendwie demütig und kommt am Ziel in Jerusalem an mit – ja, mit Dankbarkeit. Ich bin verändert aus Jerusalem zurückgekommen, nämlich als überzeugte Pazifistin, mehr denn je. Das Sehnsuchtsziel ist wirklich erreicht worden.

Dr. Ruth Funk