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Die Krippe in St. Marien

Die Krippe in St. Marien
Die Krippe in St. Marien

 

 

Bild 3: Volkszählung   (LK 2, 1-5)

 

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner
des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

2  Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius[1] Statthalter von Syrien.

3  Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

4  So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die
     Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

5  Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten[2], die ein Kind erwartete.

 

 

 

Volkszählung

 

Der Evangelist Lukas schildert die Geburt Jesu im Zusammenhang
mit einer Volkszählung. Volkszählung!

Gibt es überhaupt etwas, was entwürdigender und menschenfeindlicher ist?
Den Menschen einfach auf eine Zahl zu reduzieren, auf eine Nummer in
einer Reihe. Reine Quantität. Egal, wer sie sind, was sie können, wie sie sind,
was sie denken und fühlen, wie es ihnen seelisch und körperlich geht.

Ja, es geht nur um die Zahl. Eins zwei drei. viertausend – fünftausend –
sechstausend – sieben Millionen – acht Millionen – neun Millionen.
Danach können die Zahlen in Tabellen eingearbeitet, in Kurven und
Grafiken dargestellt, auf Konferenzen vorgelegt werden, in Berechnungen
aufgenommen, zum Objekt von Verhandlungen gemacht werden.

Wo ist das Blut, das Lächeln, das Herzklopfen, Händedrücken, Weinen
und Lachen? Wo sind die Hoffnung, die Sehnsucht, die Trauer und der
Schmerz? Wo sind Lebensmut und Todesangst?

Es sind die Kaiser, die Volkszählungen anordnen. Damals befahl der
Kaiser Augustus in Rom und heutzutage Präsidenten, Regierungen,
und auch Produzenten, Warenhäuser, Marktanalytiker, Meinungsmacher,
Zukunftsforscher, Planer. Volkszählungen sollen ans Licht bringen, wie
viele Einwohner es gibt: wie viele Steuerzahler, wie viele Kunden, wie
viele Wählerstimmen, wie viele Patienten, wie viele Soldaten.
Ja, die Kaiser und Regierungen haben Soldaten und Macht, ihre
Anordnungen durchzusetzen.
 

„So gingen auch Maria und Josef, um sich eintragen zu lassen.
Weil Josef aus dem Geschlecht Davids war, reiste er mit seiner
Verlobten Maria, die hochschwanger war, von Nazareth in Galiläa
nach Bethlehem in Judäa, der Stadt, aus der König David stammte“.
Drei Tage braucht man für diesen Weg von ungefähr 170 km.
Nach der anstrengenden Reise mussten sie in Bethlehem feststellen,
dass „in der Herberge kein Platz für sie war“, und für Maria
„die Zeit ihrer Niederkunft“ kam.

Jesus, der Messias, kommt anders als erwartet. Seine Geburt ist
politisch unbedeutend. In ihr spiegelt sich die Ohnmacht seines Volkes.
Er teilt dessen Schicksal. Er fängt nicht oben an, sondern ganz unten.

Die Umstände der Geburt Jesu ähneln dem Schicksal der Millionen
Flüchtlinge heute. Sie machen deutlich, auf wessen Seite wir ihn
auch heute finden – nämlich bei denen „unten“.

 

1. Quirinius hat als Statthalter von Syrien 6/7 n. Chr. eine Steuer-feststellung,
einen sog. Zensus, durchführen lassen. Dies kann jedoch nicht der Zensus
gewesen sein, zu dem Josef nach Betlehem zog; denn die Geburt Jesu fällt
nach Mt 2 in die Zeit vor dem Tod Herodes (4 v. Chr.).
Der Mönch Dionysius Exiguus (ca. 497-540), auf den die christliche Zeitrechnung
zurückgeht, hat sich demnach um etwa 4 bis 5 Jahre verrechnet. Kaiser Augustus
herrschte von 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.

2. Nach jüdischem Recht gilt die Verlobte bereits als Ehefrau